Das JSO eröffnet sein Konzert mit dem ersten Satz aus der achten Sinfonie von Franz Schubert, auch „Die Unvollendete“ genannt. Stets ein Fragment geblieben, wurde dieses Werk dank seiner emotionalen Intensität zu einem festen Bestandteil des Repertoires für Sinfonieorchester: mit düsteren Klängen und klagendem Zorn bis hin zu lieblichen Melodien und leichter Walzer-Seligkeit.
Danach präsentiert die Rheinische Musikschule aus ihrer studienvorbereitenden Ausbildung für den besonders talentierten Nachwuchs einen ihrer besten Cellisten: Hanbeen Jang aus Seoul, 21 Jahre alt und mehrfacher Preisträger – von ersten Preisen bei „Jugend musiziert“ bis zu internationalen Auszeichnungen und ersten Plätzen neben Wettbewerbsteilnehmer*innen aus der ganzen Welt. Gemeinsam mit dem JSO musiziert er Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pezzo capriccioso“ und lässt sein Instrument mal groß und majestätisch, mal wehmütig-melodiös und dann wieder rasant und virtuos erklingen.
Sinfonische Dichtungen: Ein Orchester erzählt
Märchenhaft geht es weiter mit „Ma Mère l’Oye“ von Maurice Ravel: ein impressionistisches Klanggemälde, das mit filigraner Instrumentation die Charaktere aus Erzählungen wie „Dornröschen“, „Der kleine Däumling oder „Die Schöne und das Biest“ lebendig werden lässt. Zum Abschluss erklingt mit vollem Orchester-Sound die sinfonische Dichtung „Die Mittagshexe“ von Antonín Dvořák. Diese schildert kraftvoll und plastisch ein fröhliches Kind, dem seine Mutter mit der Mittagshexe droht, wenn es nicht zu Ruhe käme – bis diese Hexe tatsächlich mit bedrohlichen Tönen auftaucht.
Wer wissen möchte, was beim Erklingen der mittäglichen zwölf Glockenschläge passiert, ist herzlich eingeladen zu diesem spannenden Konzert am dritten Adventswochenende bei freiem Eintritt. Der Konzertsaal der Hochschule für Musik und Tanz Köln liegt gut erreichbar (Nähe Hauptbahnhof), und der Eintritt zum Konzert ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich, deshalb wird rechtechtzeitiges Eintreffen dringend angeraten.
Berauschend und tänzerisch: So beginnt das Konzert, wenn die Streicher*innen des JSO Edvard Griegs Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit“ anstimmen. Die Komposition aus dem Jahr 1884 ist ein bewusster Rückgriff auf den Barock und damit auf die Epoche, in der Norwegens Nationaldichter Ludvig Holberg lebte, zu dessen Ehren das Werk entstand. Von Ungestüm und Lebensfreude ist auch die darauffolgende erste Sinfonie Ludwig van Beethovens geprägt. Der Abend wird fortgesetzt mit Auszügen aus der Suite „Pelléas et Mélisande“ von Gabriel Fauré: Bewegende, dabei schwerelose und elegante Musik über die alte und stets aufs Neue tragische Geschichte zweier Liebender, die nicht zueinander finden können. Und noch einmal geht es um die Liebe, wenn das Konzert temperamentvoll endet mit der „Carmen Suite Nr. 1“ von Georges Bizet und dem berühmten Schlusssatz „Los Toréadors“, bei dem Orchester und Publikum gemeinsam vom feurigen Herzschlag stolzer Spanier mitgerissen werden.
Anna Khabyuk Orgel Philippe Coupette Violine (Solo „Danse macabre“) Marlene Palmen Violine (Solo Dvořák-Violinkonzert) Jugendsinfonieorchester der Rheinischen Musikschule Gürzenich-Orchester Köln Alvaro PalmenEinstudierung JSO François-Xavier RothDirigent
Jedes Jahr finden sich das Jugendsinfonieorchester der Rheinischen Musikschule und das Gürzenich-Orchester zu einem besonderen Projekt zusammen: Seite an Seite spielen Nachwuchstalente und Profis ein ausgewachsenes Sinfoniekonzert unter der Leitung des Gürzenich-Kapellmeisters. Dieses Jahr treten auf als Solist*innen: Anna Khabyuk (Orgel), Philippe Coupette (Violine) und Marlene Palmen (Violine). Am Pult steht Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth, einstudiert wird das Konzert von Alvaro Palmen, Vorspieler der Ersten Geigen im Gürzenich-Orchester und Dirigent des Jugendsinfonieorchesters der Rheinischen Musikschule.
Die Rheinische Musikschule feierte 2020 ihr 175-jähriges Bestehen, das Gürzenich-Orchester kann stolz auf seine noch längere Geschichte sein. Beide großen traditionsreichen Kölner Kulturinstitutionen waren über viele Jahre äußerst eng miteinander verbunden, denn von 1845 bis zur Gründung der Kölner Musikhochschule im Jahr 1925 war der Städtische Kapellmeister und Orchester-Chef (in späterer Zeit auch Generalmusikdirektor genannt) zugleich der Direktor der Rheinischen Musikschule. Spätestens seit dem Wirken von Markus Stenz als Gürzenich-Kapellmeister von 2003 bis 2014 wurde diese historische Verbundenheit wieder durch gemeinsame Projekte von Gürzenich-Orchester und Rheinischer Musikschule belebt. Herausragend ist dabei das jährlich stattfindende Kooperationskonzert des Gürzenich-Orchesters mit dem Jugendsinfonieorchester der Rheinischen Musikschule Köln.
Festliches Eröffnungskonzert – So klingt Köln Ouvertüre zur Jubiläumssession
»200 Jahre Kölsche Funke rut-wieß vun 1823« Karneval – das ist mehr als Kölsch und Kamelle. Es ist eine ganz besondere Art, die Welt anzuschauen. Schon vor Sessionsbeginn nimmt das Gürzenich-Orchester dieses Jubiläum zum Anlass, eine neue, besondere, eine rut-wieße Kulturpartnerschaft einzugehen. Gemeinsam mit den Roten Funken, dem ältesten Traditionscorps Kölns, unterstützen wir den musikalischen Nachwuchs unserer Stadt. So klingt Köln: Populäre Klassik und rheinische Raritäten aus 200 Jahren Musikgeschichte, präsentiert in einem Kooperationskonzert des Gürzenich- Orchesters mit dem Jugendsinfonieorchester der Rheinischen Musikschule. Vorfreude pur auf den kontrollierten Kontrollverlust, den klassische Musik und Karneval seit jeher gemein haben.